Gründen Frauen tatsächlich anders als Männer, oder handelt es sich nur um einen Mythos? Auf den ersten Blick scheinen die Unterschiede klar zu sein: Frauen begründen seltener und stehen besonderen Herausforderungen gegenüber, etwa bei der Finanzierung und Sichtbarkeit. Doch heißt das, dass sie wirklich anders gründen? Wir beleuchten die ,,FFM 2020“-Studie, das „SiGi“-Forschungsprojekt und die „IHK NRW“-Studie auf Gründungsmotive und Herausforderungen von Gründerinnen. Außerdem untersuchen wir in diesem Artikel die Gründungsstrategien von Frauen und stellen die Frage, ob sie wirklich anders gründen. Am Ende klären wir: Wahrheit oder nur ein Mythos?
Warum gründen Frauen?
Der Wunsch nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit ist laut der IHK NRW-Studie für 79 % der Gründerinnen ein zentraler Faktor, sich selbständig zu machen. 55 % geben außerdem an, dass die Frustration über bestehende Arbeitsverhältnisse sie zur Gründung bewegt habe (IHK NRW-Studie). Zusätzlich zeigt die „Sichtbarkeit innovativer Gründerinnen“ (SiGi-Forschungsprojekt), dass viele Gründerinnen gesellschaftliche Probleme lösen und ihre Werte verwirklichen möchten. Diese Aspekte motivieren sie oft stärker als schnelle Gewinnmaximierung. Zudem basieren ihre Gründungen häufig auf nachhaltigen, sozialen oder ökologischen Ideen.
Die Branchenwahl als Spiegel der Interessen
Die Branchenwahl zeigt ebenfalls Unterschiede: Frauen sind vermehrt in den Bereichen Konsumgüter (13,9 %), Ernährung (12,9 %), Gesundheit (12,8 %) und Bildung (8,7 %) aktiv (SiGi-Projekt). Technologieorientierte Bereiche wie die Informations- und Kommunikationstechnik bleiben oft von Männern dominiert. Die Neigung zur Branchenwahl zeigt auch Unterschiede, aber die Frage bleibt: Ist das wirklich „anders“ oder einfach nur eine natürliche Anpassung an die Interessen und Werte der Gründerinnen?
Herausforderungen, denen Frauen bei der Gründung begegnen
Gründen Frauen anders, da sie vor anderen Herausforderungen stehen? Denn es wird deutlich, dass vor allem finanzielle Hürde für Frauen besonders hoch sind. Laut der SiGi-Projekt fällt es Frauen häufig schwerer, Wagniskapital zu erhalten. So entscheiden Kapitalgeber oft anhand von stereotypen Vorstellungen und bewerten „unternehmerisches Handeln“ nach wie vor eher als „männlich“. Dies führt dazu, dass weibliche Gründerinnen ihre Sichtbarkeit aktiv gestalten müssen, um wahrgenommen zu werden. Fehlende Vorbilder sind ebenfalls eine Hürde. Fast 44 % der befragten Gründerinnen sind der Meinung, dass Frauen in unternehmerischen Rollen kaum wahrgenommen werden (IHK NRW-Studie).
Netzwerke und strukturelle Barrieren
Das Fehlen unterstützender Netzwerke und Zugänge stellt eine weitere Hürde dar. Die IHK NRW-Studie hebt hervor, dass 53 % der Gründerinnen mit bürokratischen Hürden kämpfen, während 29,7 % den Mangel an Netzwerken als problematisch empfinden. Diese strukturellen Barrieren führen dazu, dass Frauen besonders aktiv in ihrer Vernetzung sein müssen, um ihre Position im Markt zu festigen und Unterstützung zu erhalten.
Gründen Frauen wirklich anders als Männer?
„Frauen gründen anders“ – ein Satz, der immer wieder auftaucht, aber was steckt dahinter? Der Studie FFM-Studie von 2020 zufolge liegt einer der größten Unterschiede in den Werten, auf denen Gründungen basieren. Gründerinnen orientieren sich oft stärker an gesellschaftlichen Herausforderungen und streben nach langfristiger Profitabilität über kapitalintensive, schnelle Skalierung. Laut der SiGi-Projekt kämpfen sie jedoch mit der Erwartung, sich an stereotypen „männlichen“ Erfolgsparametern zu messen.
Einfluss von Persönlichkeit und Geschäftsidee
Die Studien betonen zwar die spezifischen Herausforderungen für Frauen, aber sie lassen eine wichtige Gruppe nach außen vor: diverse Personen. Bisherige Untersuchungen berücksichtigen nicht, wie nicht-binäre und genderdiverse Menschen Gründe oder mit ähnlichen Barrieren umgehen. Daher ist es unklar, ob diverse Gründer*innen ähnliche oder abweichende Hürden erleben. Dennoch deuten einige Ergebnisse darauf hin, dass der Erfolg in der Selbstständigkeit weniger vom Geschlecht abhängt, sondern vielmehr von Faktoren wie Persönlichkeit, Geschäftsmodell und der Fähigkeit, auf den Markt zu reagieren. Frauen, die authentisch auftreten und ihre Netzwerke gezielt einsetzen, können ebenso erfolgreich sein wie Männer oder diverse Personen.
Fazit: Frauen gründen anders – Wahrheit oder nur ein Mythos?
Letztlich zeigt sich: Frauen gründen oft unter anderen Bedingungen, aber die Kunst und Weise, wie erfolgreich gegründet wird, hängt nicht zwangsweise vom Geschlecht ab. Auch wenn sich Gründerinnen einigen Herausforderungen stellen müssen, können sie ihre Gründungswege vielfältig gestalten. Der „Mythos“ des andersartigen Gründens ist damit nur teilweise gerechtfertigt. Erfolg und Strategie basieren stärker auf individuellen Faktoren wie Authentizität, Zielstrebigkeit, Vernetzung, realistischer Markteinschätzung und einer genauen Planung – weniger auf dem Geschlecht.
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Jana Blümler