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Lieber früher als später an die eigene Gesundheit denken!

Gründer-Geheimnis Hello Inside: Die eigene Gesundheit in die Hand nehmen

Die eigene Gesundheit wird oft mehr vernachlässigt, als es gut für uns ist. Wir gehen nur zum Arzt, wenn wir Schmerzen haben und die Gesundheit nicht mehr tadellos ist. Um sich mehr um die eigene Gesundheit zu kümmern und einen neuen Fokus darauf zu legen, haben die Gründer von Hello Inside eine App entwickelt, die körperinterne Prozesse in Echtzeit visualisiert und individuelle Empfehlungen gibt. Mehr dazu im Interview.

Der Körper ist für viele Menschen ein Mysterium. So gehen wir zum Arzt, wenn wir Schmerzen haben, doch eigentlich ist es dann schon zu spät. Denn die Gesundheit leidet ja bereits. Es wäre also von Vorteil, wenn man seine wichtigen Gesundheitswerte in Echtzeit überwachen könnte, um bei Problemen sofort agieren zu können. Diesen Gedanken unterstützen die Gründer von Hello Inside. Das Unternehmen nutzt einen CGM Sensor (continuous glucose sensor), um Blutzuckerwerte im Blick zu halten und die eigene Gesundheit nachhaltig zu verbessern, und das nicht erst, wenn es zu spät ist.

Das Unternehmen hat gleich vier Gründer, die die Idee entwickelten. Mario Aichlseder, der als CEO für Produkt und Marketing verantwortlich ist, Dr. med. Anne Latz, die den Health Science Bereich verantwortet, Vincent Weber, der als CTO für Web-Angebot und App-Entwicklung verantwortlich ist, und Jürgen Furian, der als COO und CFO das operative Geschäft und die Finanzen verantwortet. Wie die vier auf die Idee mit den Sensoren kamen und welche Meilensteine sie bereits erreichten, berichten sie im Gründer-Geheimnis.

Idee und Gründung

Wie genau entstand die Geschäftsidee für Hello Inside? Beschreibt bitte den genauen Moment.

Zur gemeinsamen Idee sind wir auf unterschiedlichen Wegen gekommen. Einerseits durch Marios Vergangenheit bei Runtastic und adidas bzw. sein privates Umfeld in der Familie mit mehreren Diabetes Patient:innen und CGM Nutzer:innen. So ziemlich alle Health und Wellness Apps haben ein riesiges Problem, und zwar, dass sie keine langfristigen Erfolge bringen und die Motivation oft nur ein paar Tage reicht. Nach dem „Ausborgen“ eines CGM in der Familie wurde rasch klar, welche tollen Eigenschaften und Insights ein solcher Sensor auch für gesunde Menschen mit sich bringt. 

Andererseits auch aus einem klinischen Umfeld und im direkten Umgang mit übergewichtigen Patient:innen. Die Statistiken sprechen hier eine klare Sprache – weltweit sind 650 Millionen Menschen übergewichtig, 1/3 aller Erwachsenen haben eine Stoffwechselstörung. Der Bedarf an nicht-pharmazeutischen Behandlungen ist entsprechend groß. 

Wie lief die Namensfindung ab? Warum habt ihr euch für „Hello Inside“ entschieden?

Für das Gründer-Team war die Namensfindung essentiell, weil wir nicht nur ein technologisches Produkt auf den Markt bringen wollten, sondern eine neue Konversation rund um die Themen Stoffwechselgesundheit, Ernährung und Lifestyle. Obwohl das Produkt eine technologische und medizinische Innovation ist, so sollte der Mensch im Zentrum stehen. Wir glauben an den Menschen und seine außergewöhnlichen Fähigkeiten (Sehen, Schmecken, Empfinden etc.). Durch die Technologie, durch Werbung, durch die Lebensmittelindustrie und durch Diät-Trends können wir oft nicht mehr zwischen guten und schlechten Konsumentscheidungen unterscheiden. Unsere Produkt-Innovation soll dabei helfen, aber die Technologie im Hintergrund halten. 

Hello Inside verkörpert für uns genau das – eine einladende Begrüßung, die Konversation mit dem eigenen Körper zu starten, dessen Signale besser zu verstehen und letztlich dadurch mehr Empathie für seinen Körper zu haben. 

Wie und wann habt ihr erkannt, dass ihr eure Idee in einem eigenen Unternehmen umsetzen wollt?

Die Corona-Pandemie war in vollem Gange. Die Aufmerksamkeit war natürlich auf den Gesundheitssystemen und zeigte nochmals deutlicher mit welchen Problemen diese auch ohne Corona zurechtkommen müssen. Es schien für uns der beste Ansatz, einen präventiven Ansatz zu verfolgen und dafür ein eigenes Unternehmen zu gründen. Wir können so schneller an einem neuen Service Angebot arbeiten und Kund:innen auf ihren persönlichen Health-Journeys begleiten, sodass es erst gar nicht zu Krankheiten wie beispielsweise Übergewichtigkeit oder Typ-2-Diabetes kommt. 

Wie ging es dann weiter? Was waren die nächsten Schritte für Hello Inside?

Wir haben kurzerhand ein Pitch Deck erstellt und sind in unserem eigenen Netzwerk auf Investoren-Suche gegangen. Jürgen und Mario haben selbst eine kleine Summe investiert und somit wurde relativ rasch die erste Million von Angel Investor:innen aus Deutschland und Österreich in Form von Convertible Loan Agreements eingesammelt. Parallel war uns immer wichtig, eine gute Beziehung zu potentiellen Hardware-Partnern zu pflegen. Schließlich baut der Service von Hello Inside ja auch die CGM-Sensoren auf. Die zwei mit Abstand größten Hardware-Partner sind Abbott und Dexcom. Um diese Beziehungen aufzubauen, hat Mario zwei Monate in Kalifornien verbracht und die strategische Zusammenarbeit eingeleitet. Wir können sehr stolz sein, ein solches Supply-Agreement mit Abbott zu haben.  

Beim Gründen läuft nicht immer alles glatt: Was würdet ihr das nächste Mal nicht nochmal so machen?

Wir haben uns damals eigentlich bewusst für Österreich als Gründungsland und die GmbH als Rechtsform entschieden. Leider hat sich dies als Fehlentscheidung erwiesen und wir würden das nächste Mal anders machen. Die angenommenen Vorteile (Förderungen, Flexibilität bei internationalen Anstellungen, Attraktivität für internationale Investoren, etc.) sind definitiv nicht vorhanden, sodass eine Gründung in Deutschland oder im Vereinigten Königreichen von Vorteil gewesen wäre. 

Was wir gut gemacht haben und wir nächstes Mal auch wieder ähnlich machen würden, ist die klare Abstimmung und Festlegung unserer Gesellschafts-Verträge inklusive sauberen Vesting Perioden und Cliff Vereinbarungen. Die schützt alle Gesellschafter und ermöglicht der Firma auch weiteres Fortbestehen im Falle von Konflikten. 

Die Branche 

Wie viel Potenzial besitzt diese Branche, warum habt ihr euch für diesen Bereich entschieden?

Nun, natürlich ist jeder Gründer vom Potential der Idee absolut überzeugt. In unseren Gesprächen mit Investoren teilen wir in der Regel folgende zwei Narrative. Erstens: Unsere Gesundheit ist unser größtes Gut. Wir können und sollten daher alle mehr Zeit, Energie und Geld in diesen Bereich investieren. Es kommt uns eigentlich komisch vor, dass die wertvollsten Unternehmen Technologie Firmen sind, aber keine Health Companies vertreten sind. Wir sagen nicht, dass Hello Inside das wird, aber die Lücke ist da. Und zweitens sehen wir viele Trendthemen wie Weight Management, Longevity, Hormone Balance/Frauengesundheit mit Milliardenumsätzen bereits jetzt – allen liegt das Thema Metabolic Health zugrunde, welches man mithilfe von Blutzuckermessung am besten verstehen und optimieren kann. 

Wie wichtig ist es, über das Thema Stoffwechselgesundheit zu sprechen?

Das Thema ist in Europa leider nach wie vor eher unter dem Radar. In den USA und UK gibt es relativ große Bewegungen und öffentliche Diskussionen. Sowohl getrieben von Leitmedien wie Wallstreet Journal, Washington Post, CNN und der New York Times – jeweils mit großen Leitartikeln und Vorstellung der Service-Angebote. Aber auch die Healthcare Provider nehmen neue Produkte ins Angebot auf und versuchen, so der Stoffwechsel-Pandemie Herr zu werden. In Europa ist das leider gar nicht der Fall. 

Das Problem dahinter: Kaum jemand versteht, was genau hinter Stoffwechselgesundheit steckt. Ehrlich gesagt fehlt oft der persönliche Zugang dazu. Die Abläufe im Inneren des Körpers sind in der Theorie zwar klar, aber in der Praxis wendet man sie nicht an – die Echtzeitmessung schafft genau da Abhilfe. 

Hinzu kommt ein Generationenthema, welches kaum beachtet wird. Die Jahre nach den zwei Weltkriegen waren geprägt von Unterernährung und von harter Arbeit. Der Wohlstand und die soziale Entwicklung der letzten Jahrzehnte haben dazu geführt, dass Nahrungsmittel nun kalorien- und zuckerhaltiger sind als jemals zuvor. Und gleichzeitig bewegen wir uns auch viel weniger. Stichwort Homeoffice. Dass sich daraus unsere Stoffwechsel-Pandemie mit riesigen Auswirkungen auf unsere Gesellschaft ergibt, ist vielen in Europa noch nicht klar. 

Der Haupttrend im Health- und Wellness-Bereich ist wohl seine eigene Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen. Biohacker und Longevity-Athleten kommen mehr in den Mainstream und den Menschen wird klarer, dass Gesundheit das höchste Gut ist und man damit früh anfangen muss, um später gute Resultate zu bekommen. Damit einher geht auch eine Meinungsänderung und Akzeptanz, für Gesundheitsleistungen aus eigener Tasche zu zahlen. In Europa lange undenkbar und noch immer schwierig, aber in vielen anderen Ländern absolut normal und gesellschaftlich akzeptiert. Das Gesundheitssystem ist halt einfach nicht für gesunde Menschen angelegt. 

Ein weiterer vieldiskutierter Trend herrscht rundum GLP-1 Therapien zum Abnehmen oder Hormon-Ersatz Therapien bspw. bei Frauen in den Wechseljahren. Zwei tolle Entwicklungen mit riesigem Potential, aber aktuell auch noch einigen Problemen. Die bekannten GLP-1 – Abnehmspritzen haben oft lange Wartezeiten als auch eine hohe Absprungrate von 86 Prozent nach einem Jahr. Ob und wie stark das an den Nebenwirkungen oder hohen Kosten liegt, ist noch unklar. Fakt ist, dass eine begleitende Therapie mithilfe von Glucose Monitoring den Lebensstil kurzfristig und auch langfristig positiv beeinflusst – und da gibt es keine Nebenwirkungen oder Engpässe.

Welche Meilensteine habt ihr mit Hello Inside schon erreicht?

Im Grunde würde ich drei große Meilensteine erwähnen. Der erste Meilenstein war und ist das erfolgreiche Team-Setup – es ist nicht einfach, Expert:innen aus verschiedenen Bereichen zu finden, die an einer so neuen Lösung kollaborativ arbeiten können und wollen. Zweitens konnten wir mehrere kleine Finanzierungsrunden mit Top Angels und Investor:innen erfolgreich durchführen – in schwierigen Marktverhältnissen ist dies nicht immer einfach, aber wir sind sehr glücklich über das aufgebrachte Vertrauen und die langfristige Perspektive. Und drittens sind wir sehr stolz auf unser exzellentes Produkt. Trotz meiner 12 Jahre Erfahrung mit Health und Wellness Apps habe ich noch nie so hohe Engagement Raten gesehen – mit 12 App-Öffnungen pro Tag und einer 40 prozentigen D90 Retention stellen wir viele Gaming oder Social Apps in den Schatten. 

Was macht Hello Inside so besonders?

Der CGM-Sensor bietet die Grundlage, reicht aber nicht als Alleinstellungsmerkmal gegen bestehende Player wie beispielsweise Calorie-Counting Apps. Das Besondere liegt im Zusammenspiel aus Diagnostic/Analyse und den daraus abgeleiteten Empfehlungen in Bezug auf Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stress. All diese Lebensstil-Faktoren sind in Echtzeit im Blutzuckerspiegel sichtbar und werden so der Kundin bewusst. Unser USP liegt in der anschaulichen Aufbereitung dieser Inhalte und der rundherum aufgebauten Lernumgebung. Unser Health Science Team hat didaktisch und methodisch aufgebaute Micro-Kurse entwickelt, die nicht nur Theoriewissen vermitteln, sondern „Experiental Learning in Echtzeit“ am eigenen Körper im Zentrum haben. Das erhöht die Motivation, weil es einfach relevant für die Kund:innen ist. 

Alltag

Welche Marketing-Kanäle habt ihr für Hello Inside bisher genutzt?

Das Thema Metabolic Health benötigt nach wie vor viel Erklärung und wirft auch die Frage auf: Warum soll ich meinen Blutzucker tracken? Ich möchte doch nur abnehmen, meinen Hormonhaushalt regulieren und meine Müdigkeit in den Griff bekommen. Dabei helfen unsere sogenannten „Medfluencer“ und wir bauen eine große Content– und Education-Strategie darum auf. Unser E-Mail-Marketing steht natürlich auch im Fokus sowie ausgewählte Beitrage in Fachzeitschriften. Traditionelle Wege über Social Ads sehen wir aktuell nachrangig. 

Auf was in eurem Alltag könnt ihr nicht mehr verzichten?

Für mich persönlich sind es zwei Gadgets, auf die ich wirklich nicht mehr verzichten möchte. Mein Whoop Strap und meine Hello Inside App. Mit dem einen habe ich mein Herz-Kreislaufsystem im Überblick und mit dem anderen meine Stoffwechselgesundheit. In Summe, der ganzheitliche Blick. Ich war selbst schockiert, dass ich jahrelang eigentlich nichts über meinen Körper wusste! Bald kommt wieder die Urlaubszeit – der Pilot im Flieger weiß ganz genau was in der Boeing 747 passiert und zwar in Echtzeit. Für so eine teure Maschine, von der vielen Menschenleben abhängig sind, absolut unverzichtbar. Aber unseren Körper haben wir jahrelang ignoriert und schauen erst dann unter die Haube, wenn es schon zu spät ist. 

Habt ihr  einen spannenden Tipp für angehende Gründer?

Wahrscheinlich wenig spannend, aber absolut zielführend und erleuchtend. Geht mit dem gesamten Gründerteam präventiv und regelmäßig ins Coaching. Sowohl persönlich als auch professionell eine absolute Bereicherung. Nicht immer einfach aber langfristig das Beste für euch selbst und das Unternehmen. 

Nutzt ihr KI-Tools, um euch den Arbeitsalltag zu erleichtern?

Zwei konkrete Anwendungsfälle für KI haben wir einerseits in der Content-Erstellung im Marketing. Aufgebaut auf eine Content-Analyse entwickeln wir Content schneller und zielgerichteter. Die Teams kümmern sich dann nur noch um Finetuning und Kontextanpassungen. Andererseits natürlich in der Programmierung. Hier haben wir beispielsweise das Grundlayout für das Metabolic Health Dashboard innerhalb von wenigen Stunden fertiggestellt, was uns damals ca. 2 Wochen gekostet hätte. 

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Über den Autor

Autorenprofil: Lea Minge

Lea Minge

Lea ist bei Gründer.de für die täglichen News zuständig. Im Bereich Wirtschaft, Startups oder Gründer hat sie den Überblick und berichtet von den neuesten Trends, Entwicklungen oder Schlagzeilen. Auch bei der Sendung “Die Höhle der Löwen” ist sie eine wahre Expertin und verfolgt für unsere Leser jede Sendung. Damit kennt sie die wichtigsten DHDL-Startups, -Produkte und Informationen zu den Jurymitgliedern. Daneben hat sie immer einen Blick auf die neuesten SEO-Trends und -Anforderungen und optimiert fleißig den Content auf Gründer.de. Neue Ideen für Texte bleiben da nicht aus. Schon früh interessierte sie sich fürs Schreiben, weshalb sie ein Studium in Germanistik und Kommunikations- und Medienwissenschaft in Düsseldorf absolvierte. Nach Abschluss ihres Bachelors macht sie seit Oktober 2022 ihr Volontariat in der Online-Redaktion von Gründer.de.

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