Interview über die Gründung eines innovativen Food-Startups

Gründer-Geheimnis feelfood: Nachhaltige und gesunde Instant Gerichte

Wer kennt es nicht? Die Mittagspause naht und zur Auswahl stehen: der Bäcker von nebenan, die Dönerbude oder die Wahl einer Fastfood-Kette. Einfache, schnelle Gerichte, die dazu noch gesund und nachhaltig sind, sucht man auch im Supermarkt häufig vergeblich. Das müssen wir ändern, dachten sich Fabian Zbinden und Franziska Schaal. Die beiden gründen gemeinsam feelfood und entwickeln Instant Gerichte, die nicht nur gute Nährwerte sondern vor allem einen guten Geschmack haben – ganz ohne Zucker und andere Zusatzstoffe. Im Interview haben wir mit Mitgründerin Franziska gesprochen und sie hat uns ihr Gründer-Geheimnis verraten.

Chili Sin Carne, Red Lentil Dal oder Pasta Bolo Vegan – für jeden Geschmack hat feelfood die passende Instant Mahlzeit. In nur 10 Minuten ist das Gericht fertig und kann genossen werden. Kaufen kann man die Produkte im eigenen Online-Shop in zusammengestellten Vorteilspacks. Bald sollen die Cups aber auch in einigen Verkaufsstätten in der Schweiz zu kaufen sein. Auch in Deutschland gibt es erste Listings bei REWE, EDEKA und Flink im Rheinland.

Für das Gründer-Geheimnis haben wir bei den Gründern einmal genauer nachgefragt, wie sie den Aufbau eines nachhaltigen Unternehmens im Food-Bereich gemeistert haben. Denn neben dem Launch der Produkte und des Online-Stores konnten sie auch zahlreiche Unterstützer von feelfood begeistern. So konnten sie auch Adis Pezerovic als Executive Advisor gewinnen. Er ist der Gründer von Adhouse und hilft dem Startup im Online Marketing. Welche Kanäle sie hier ins Auge fassen und welche Learnings sie auf dem Weg der Unternehmensgründung ziehen konnten, hat uns Mitgründerin Franziska im Interview erzählt.

Phase 1: Ideenfindung

Wie genau entstand die Idee für feelfood?

Die Grundidee stammt tatsächlich nicht von mir, sondern von meinem Mitgründer Fabian Zbinden. Fabian ist gelernter Koch aus der Schweiz. Nach seiner Ausbildung hat er im Restaurant NOBU in LA gearbeitet und Stars wie Madonna und David Beckham bekocht. Danach hat er sich selbstständig gemacht und ein Foodtruck Business hochgezogen. Sein Konzept bestand aus einfachen veganen Eintopfgerichten, die er im Brot serviert hat. Die Nachfrage war tatsächlich so groß, dass er die erste Version einer Fast-fertig Mahlzeit entwickelte. Mit seinem Produkt verschlug es ihn in die Kölner Gründerszene, wo wir uns dann kennenlernten.

Wie habt ihr erkannt, dass es sich dabei um ein lukratives Geschäftsmodell handelt?

Während meines Studiums hatte ich neben vielen Projekten immer sehr wenig Zeit. Trotzdem legte ich großen Wert auf eine gesunde und vor allem pflanzliche Ernährung. Mit der Überzeugung, dass die Ernährung ausschlaggebend dafür ist, wie gut wir uns fühlen, war mir jedoch klar, dass einfaches Fertigessen nicht das richtige ist! Mein Wissen über gesunde und pflanzenbasierte Ernährung ließ sich einfach nicht mit schnellen und unkomplizierten Mahlzeiten vereinen. Dementsprechend war ich schon lange Zeit auf der Suche nach schnellen und gesunden Ernährungslösungen. Als ich dann Fabian kennenlernte, hatte er bereits einen ersten Prototypen entwickelt. Ich habe sofort erkannt, dass dieses Produkt mein Problem löste und wusste, dass es sich um ein lukratives Geschäft handeln würde.

Phase 2: Planung

Wie habt ihr euch informiert und wie seid ihr dann gestartet?

Zu Beginn haben wir sehr viele Förderprogramme genutzt. So haben wir zum Start beispielsweise das Gründerstipendium erhalten. Damit konnten wir unseren Unterhalt finanzieren und uns somit ganz auf feelfood konzentrieren. Zusätzlich haben wir auch am Accalerator der Okandada Coworking Space, einem Programm für Startups, teilgenommen und kostenfreie Büroplätze, sowie Workshops erhalten. Außerdem haben wir uns mit feelfood an einigen Wettbewerben, wie dem NUK Businessplan Wettbewerb, dem Gründerpreis Wettbewerb der Universität zu Köln oder dem Gründerpreis der Wirtschaftsjunioren Köln beteiligt und es überall unter die besten zwei Teams geschafft. Neben dem Preisgeld erhielt man auch jede Menge wertvolles Feedback, das wir dankend angenommen haben und von dem wir natürlich auch profitiert haben. 

Wie sah dann die Erstellung des Businessplan aus?

Unseren Businessplan für feelfood haben wir anfangs mit der Hilfe des NUK Businessplan Handbuchs erstellt. Das hat sehr geholfen. In die Marktanalyse und vor allem die Analyse des Wettbewerbs haben wir besonders viel Zeit investiert. Hier haben wir uns nicht nur die “hard facts” der Produkte angeschaut, sondern auch die Positionierung der Marke und die emotionalen Kaufmotive. Bei unserem eigenen Rebranding haben wir dann stark darauf geachtet, eine ganz individuelle Marke zu schaffen, die sich von den Mitbewerben abhebt. Gerade im Food-Bereich ist es super wichtig, den Markt und den Wettbewerb genau zu analysieren, da das Umfeld sehr kompetitiv ist. Dabei kann der Businessplan eine sehr gute Hilfe sein. Ein weiters Learning in Bezug auf den Businessplan beziehungsweise den Finanzplan, war immer etwas mehr Geld einzuplanen. Vor allem für rechtliche Themen, mit denen man anfangs überhaupt nicht rechnet. Das kann ich nur allen raten!

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Welche Schritte standen noch an, bis die Plattform von feelfood an den Start ging?

Vor dem ersten Launch, standen eigentlich drei Bereiche auf der Agenda: Produktentwicklung, Branding Entwicklung und die Unternehmensgründung inklusive erster Finanzierung. Oft denkt man nur daran, dass ein gutes Produkt entwickelt werden muss, aber im Hintergrund muss nun mal auch ein komplettes Unternehmen mit vollständigen Strukturen entstehen. Leider fallen in den ersten Steps auch schon viele rechtliche Themen, wie die Markenanmeldung, Datenschutzerklärungen und ähnliches an. Aber wenn man das Grund-Setup erstmal aufgebaut hat, dann kann man darüber auch schon sehr schnell die ersten Produkte verkaufen.

Phase 3: Gründung

Wie viel Potenzial besitzt diese Branche, warum sollten angehende Gründer in der Branche neue Konzepte entwickeln?

Die Foodbranche ist hart umkämpft, aber birgt auch riesiges Potenzial. Wir haben großes Probleme in unserer gesamten Lebensmittelwirtschaft. Die Gesellschaft ernährt sich immer noch sehr “tier-lastig” und das birgt drei Probleme: Es hat zunächst einmal eine negative Auswirkung auf das Klima. Aber viele tierische Produkte sind in größeren Mengen auch nicht gesund für uns Menschen. Zu guter Letzt ist natürlich auch das Tierleid ein großes Problem, welches wir angehen möchten. Hinzu kommt die Art und Weise, wie wir mit unseren Böden umgehen und zum Teil noch konventionellen Anbau samt einiger Düngemittel betreiben. Auf Konsumentenseite findet hier schon ein Umdenken statt. Aber es braucht noch deutlich mehr vegane Bio-Produkte im Angebot, damit die große Masse ihr Konsumverhalten ändert. Hier ist noch sehr viel Potenzial zur Verbesserung und wir möchten natürlich unseren Beitrag dazu leisten.

Welche Vorteile bietet ein Online-Business gegenüber analogen Unternehmen?

Für uns bietet sich durch den Online-Vertrieb ein sehr enger Kontakt zu unseren feelfood-Kunden. Durch Post-Purchase Surveys haben wir die Möglichkeit, die Kaufgründe unserer Kundschaft zu erfahren und daraus dann wertvolle Erfahrungen für die Weiterentwicklung gewinnen. 

Gründen wird oftmals als unkompliziert dargestellt, aber wenn du zurückblickst: Welche Fehler habt ihr gemacht?

Ich würde nicht sagen, dass wir große Fehler gemacht haben, aber es waren viele kleine, die man sicherlich nicht nochmal machen würde. Auf unserem Weg hatten wir einfach einige Herausforderungen, die wir überwinden mussten und immer noch müssen. Die wohl schwerste Hürde für uns ist die Rohstoffbeschaffung, sprich Lebensmittel wie Gemüse, und die damit verbunden Lieferzeiten. Obwohl wir das Glück haben, dass unser Produzent die meisten unserer Rohstoffe selber anbaut, gibt es natürlich auch bestimmte Elemente, die dazu gekauft werden müssen. Überhaupt einen Produzenten zu finden, der in der Lage ist, unser Vorhaben umzusetzen, das war schwierig! Als wir diesen dann gefunden hatten, mussten Maschinenteile für unsere Pappbecher angefertigt werden, was uns wieder viel Zeit gekostet hat. 

Woran lag es, dass euch so viele Herausforderungen erwarteten?

Wir haben einfach ein sehr komplexes Produkt und die Zutaten, die wir benötigen, müssen sowohl Instant, das heißt vorgekocht und getrocknet, als auch in Bio-Qualität verfügbar sein. Da die Kombination aus Instant und Bio-Qualität wirklich selten angeboten wird, gibt es hier im Gegensatz zum konventionellen Bereich nur ein begrenztes Angebot und nicht die übliche große Auswahl. So dauert die Suche oft lange und die Lieferzeiten sind leider auch nicht die kürzesten. Die Corona-Pandemie, die in vielen Bereichen Rohstoffknappheit zur Folge hat, spielt uns hier auch nicht in die Karten. Das Gute am ganzen Prozess: Wenn man diese Hürden bewältigt hat, kann man stolz sein, ein wirklich qualitativ hochwertiges Produkt zu verkaufen. Und an diesem Punkt stehen wir heute.

Phase 4: Wachstum

Was macht feelfood im Vergleich zur Konkurrenz so besonders?

Eigentlich ist es ganz simpel! Wir sparen unseren Kunden super viel Zeit, ohne dass sie auf Gesundheit und guten Geschmack verzichten müssen. Das unterscheidet uns von anderen Instant Produkten. Unsere Produkte mögen simpel wirken, sind in der Entwicklung, jedoch sehr aufwendig. So einen intensiven Geschmack, ohne die Verwendung von Zusatzstoffen, Zucker oder Geschmacksverstärkern – das findet man bei kaum einer anderen Instant Mahlzeit. Außerdem bieten wir unseren Kunden stets die beste Qualität an rein pflanzlichen Rohstoffen in Bio-Qualität, die in der Zusammensetzung auch noch super Nährwerte liefern. Damit können die herkömmlichen Marken nicht mithalten.

Welche Marketing-Kanäle habt ihr für feelfood bisher erfolgreich genutzt?

Auf der einen Seite nutzen wir die klassischen Kanäle, wie Instagram und Facebook – organisch und paid, TikTok und Twitch. Hinzu kommen Influencer-Kooperationen, Messen und Events, sowie Verkostungen im Markt. Darüber hinaus starten wir jedoch immer wieder Marketingaktionen, die nicht unbedingt dem Standard entsprechen. Beispielsweise haben wir bereits zwei Crowdfunding Kampagnen gestartet, um unser erste und unsere aktuelle Version über das Crowdfunding zu finanzieren und vor allem etwas bekannter zu machen. Das hat auch ziemlich viel PR mit sich gebracht, was sich sehr positiv auf den Verkauf ausgewirkt hat. Da mein Mitgründer außerdem regelmäßig im TV in der Schweiz kocht und dort recht bekannt ist, versuchen wir generell das Thema PR gut zu nutzen. Auch unser Netzwerk in der Startup-Szene nutzen wir, um auf feelfood aufmerksam zu machen. Beispielsweise haben wir letztes Jahr ein Startup Gutschein-Booklet auf die Beine gestellt, wo wir mit einigen E-Commerce-Brands kooperiert haben. Dieses setzten wir auch diese Jahr nochmal auf.

Welche geheimen Tipps möchtest du angehenden Gründern geben?

Ich habe drei große Tipps, die ich selbst gelernt habe: Tipp Nummer eins ist Dranbleiben. Eine eigene Marke aufzubauen ist unglaublich erfüllend, jedoch ist die Startup-Szene ein hartes Business. Ihr werdet nicht direkt beim ersten Versuch jeden Investor und potenziellen Partner von euch überzeugen, aber: Hartnäckigkeit zahlt sich aus. Und wenn ihr eine Idee habt, dann go for it! Außerdem elementar: Feedback sammeln. Konstruktive Kritik ist das Beste, das euch passieren kann und verhilft eurer Entwicklung aufs nächste Level. Kommt mit anderen ins Gespräch, die auf Probleme und Sachverhalte eine andere Sichtweise haben und lasst euch und eure Ideen kritisch hinterfragen. Und bildet im Idealfall Gründerteams mit Menschen, die eure Stärken ergänzen und mit denen ihr trotzdem die gleichen Werte und Vorstellungen teilt!

Last but not least: Netzwerken in allen Phasen! Tretet Initiativen bei, besucht Veranstaltungen und meldet euch auf den entsprechenden Plattformen an, um euch aktiv mit anderen aus der Branche auszutauschen. Mittlerweile zahlt es sich für mich gefühlt täglich aus, jemanden zu kennen, der in spezifischen Themenbereichen weiterhelfen kann. Außerdem öffnen sich die Türen zu Investoren um einiges schneller, wenn man persönlich weiterempfohlen wird und auch Förderprogramme kommen so oft schneller zustande. Wichtig dabei ist, dass ihr anfangt, echte Beziehungen aufzubauen und Kontakte knüpft mit Menschen, die von euch überzeugt sind und in eure Stärken vertrauen. Umgebt euch mit Personen, die euch inspirieren und mit denen ihr neue Ideen entwickeln könnt.

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Über den Autor

Autorenprofil: Luisa Färber

Luisa Färber

Luisa kommt ursprünglich aus einem kleinen Dorf in Oberfranken und entschied sich nach dem Abitur für ein Studium der Angewandten Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Technischen Universität Ilmenau in Thüringen. Durch die vielen praxisnahen Projekte konnte sie bereits Erfahrungen in verschiedenen Tätigkeiten innerhalb der Medienbranche sammeln. In mehreren Praktika entdeckte sie ihre Leidenschaft für die redaktionelle Arbeit und feilte an ihrem Textgefühl. Neben dem Studium war sie ehrenamtlich im Studierendenradio und in verschiedenen anderen Projekten tätig. Im Anschluss an ihren Bachelor macht sie nun seit Februar 2022 ihr Volontariat in der Online-Redaktion von Gründer.de.

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