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Neuer Höchststand seit 10 Jahren

Privatinsolvenz knapp verdoppelt: Das sind die Gründe

In 2021 ist die Anzahl von privaten Insolvenzen in Deutschland erstmals seit 10 Jahren wieder angestiegen. Informationsdienstleister CRIF veröffentlicht in seinem „Schuldenbarometer 2021“ die aktuellen Zahlen. Vor allem die Anzahl an Selbstständigen, die Privatinsolvenz beantragen mussten, stieg stark an. In sieben Bundesländern haben sich die Privatinsolvenzen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Diese Entwicklung ist vorrangig auf zwei Gründe zurückzuführen.

Im Jahr 2021 stieg die Anzahl der privaten Insolvenzen in Deutschland stark an. Während laut Informationsdienstleisters CRIF in 2020 noch rund 56.000 Privatinsolvenzen beantragt wurden, waren es im Folgejahr fast 110.000. Das ist größtenteils auf eine Gesetzesänderung im Insolvenzrecht zurückzuführen: Die Laufzeit des Insolvenzverfahrens verkürzte sich von sechs auf drei Jahre. Deshalb haben viele Privatpersonen ihre Anträge in 2020 noch zurückgehalten und erst im Jahr darauf eingereicht, um von der Gesetzesreform zu profitieren. „Dieser Aufholeffekt trieb die Zahl der Privatinsolvenzen 2021 stark nach oben“, so Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer von CRIF Deutschland.

Ein weiterer Grund für den Anstieg der Privatinsolvenzen sind die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Denn zahlreiche Selbstständige und Arbeitnehmer haben zeitweise oder dauerhaft ihren Job verloren und von ihren finanziellen Rücklagen gelebt, die irgendwann aufgebraucht sind. Durch Hilfspakete unterstützte die Bundesregierung die Betroffenen mit dem Ziel, den wirtschaftlichen Schaden zu minimieren und Liquiditätsengpässe zu verhindern. Immerhin verbesserten die Maßnahmen die Zahlungsfähigkeit von privaten Haushalten, sonst wären in 2021 noch mehr private Insolvenzen zu erwarten gewesen.

Kein Rückgang der Privatinsolvenzen in 2022 erwartet

Selbstständige und Arbeitnehmer mussten aufgrund der Pandemie mit Kurzarbeit oder Jobverlust kämpfen. Das eigene finanzielle Polster oder von Freunden, Familie oder Bekannten geliehenes Geld, mit denen die Betroffenen ihren Alltag bisher finanziert haben, ist bei vielen aufgebraucht. Des Weiteren werden Beschäftigte durch steigende Energie- und Mietpreise belastet. Aus diesem Grund rechnet Dr. Schlein auch in diesem Jahr mit Privatinsolvenzen auf Vorjahresniveau. Viele der Betroffenen, die Privatinsolvenz anmelden, sind entgegen allgemeiner Erwartungen nicht hoch verschuldet: Die mittlere Schuldenhöhe beträgt etwa 19.000 Euro, die meisten Personen haben weniger als 10.000 Euro Schulden.

Höchste Werte in den nördlichen Bundesländern

Deutschlandweit lag die Anzahl von Privatinsolvenzen im Jahr 2021 bei 131 auf 100.000 Einwohner. Dabei führen die nördlichen Bundeslänger die Liste an. In Bremen wurden 247 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohnern beantragt. Es folgen Niedersachsen (180 Insolvenzen je 100.000 Einwohnern) und Hamburg (172 Insolvenzen je 100.000 Einwohner). Dieser regionale Trend ließ sich auch bereits in den letzten Jahren beobachten. Dahingegen ist der Süden Deutschlands weniger stark von privaten Insolvenzen betroffen. Den niedrigsten Wert verzeichnet Bayern mit 86 Fälle je 100.000 Einwohner.

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