Interview über den erfolgreichen Aufbau eines Online-Business

Gründer-Geheimnis: Wie macht bikuh das Fahrrad zur nachhaltigen Werbetafel?

Fahrradfahren liegt definitiv im Trend – denn es hält nicht nur fit, sondern kann auch beim Thema Umweltschutz überzeugen. Doch die Gründer von bikuh sehen in den Millionen Fahrrädern deutschlandweit auch einen weiteren Nutzen. Denn jedes Rad beinhaltet auch eine ungenutzte Werbefläche, die sich als Marketingmöglichkeit und gleichzeitig als zusätzliches Einkommen für Radfahrer anbietet. Von diesem Konzept sind schon zahlreiche Kunden überzeugt und die bikuh-Community wächst stetig an. Wir haben im Interview mit den Gründern ihre Details zum Gründer-Geheimnis, zur Teilnahme bei der Höhle der Löwen und praktische Startup-Tipps erfahren.

Wer eine neue Geschäftsidee etablieren möchte, braucht ein gewisses kaufmännisches Verständnis, aber vor allem Kreativität und Durchhaltevermögen. Deshalb ist auch nicht verwunderlich, dass sich Angela Gonzalez Pedrero und Patrick Klug für die Gründung von bikuh zusammentaten. Denn beide besitzen nicht nur die erforderlichen Fähigkeiten, sondern auch den Willen, mit ihrer Geschäftsidee noch einmal ganz von vorne zu starten. Mit ihrer Online-Plattform und der dazugehörigen App möchten sie auf unternehmerische Weise das Radfahren fördern. Dabei können zum einen Werbepartner das Angebot von bikuh nutzen, um ihr Produkt auffällig am Rad zu platzieren. Andererseits verdienen die Radfahrer als Markenbotschafter nebenbei Geld mit jedem gefahrenen Kilometer.

Gründer bikuh Gründer-GeheimnisQuelle: Pressefoto bikuh
Patrick und Angela sind die Gründer von bikuh

Alles wird unkompliziert über die App abgerechnet und ausgezahlt. Mit diesem Konzept konnten die Gründer schon zahlreichen Radfahrern zu einem Zusatzeinkommen verhelfen und Werbepartner überzeugen. Außerdem arbeitet das Startup mit Arbeitgebern zusammen, wodurch sich Mitarbeiter zum Beispiel einen freien Tag erstrampeln können. Aber wie fing alles an? Und welche Erfolgsfaktoren waren entscheidend? Wir haben im Interview von den Gründern erfahren, worauf es bei der Planung ankommt und warum sich das Startup für ein Online-Business entschieden hat.

Phase 1: Ideenfindung

Wann entstand die Idee für diese besondere Werbeform?

Eigentlich begann alles 2014 in Australien, wo Angela beruflich unterwegs war. Dort sah sie, wie ein Promoter eine Werbefläche an seinem Fahrrad hinterher zog. Dieses Geschehen löste wiederum einen Gedanken aus: Kann man das nicht auf den Alltag ummünzen und jeder Person die Option geben, mit dem eigenen Fahrrad zu werben? Man würde das Radfahren belohnen, es wäre zusätzlich ein guter Anreiz dafür, mehr Fahrrad zu fahren und den Umweltschutz zu unterstützen. Gleichzeitig hätten die Werbepartner echte Markenbotschafter auf den Straßen. Allerdings blieb es noch sehr lange bei dieser Idee, bevor es zur Umsetzung von bikuh kommen sollte.

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Wie entstand daraus dann die Geschäftsidee für bikuh?

Erst 2015, also erst ein Jahr nachdem Angela diese Idee entwickelte, saßen wir eines Tages zusammen und besprachen diese besondere Geschäftsidee von bikuh. Danach wurde jede freie Minute in die Entwicklung eines Geschäftsmodelles gesteckt und die Idee fing an rund zu werden. Anfang 2016 war es dann so weit, unser Pitch beim Fördernetzwerk Social Impact Lab in Frankfurt stand an und man nahm uns tatsächlich in das „AndersGründer“-Förderprogramm auf. Das war unser erster wichtiger Meilenstein, denn wir konnten eine hochqualifizierte Jury und das Publikum von unserer Idee überzeugen. Außerdem erhielten wir die nötige Unterstützung, um die nächsten Schritte zu gehen.

Wie habt ihr erkannt, dass es sich dabei um ein lukratives Geschäftsmodell handelt?

Erstmal besaßen wir ja nur die Idee: keine App, kein System, eigentlich nichts und präsentierten uns trotzdem auf einer Fahrradmesse mit einem kleinen, netten Stand. Dabei schwebte die Angst mit, dass uns jemand mit Geld die Idee klaut. Doch auf diese Messe zu gehen und dort unsere Idee zu präsentieren, war eine unserer besten Entscheidungen. Denn wir zogen nicht nur viele interessierte Radfahrer an, die sich vorab auf einem Zettel schon registrierten. Sondern wir generierten unseren ersten Kundenauftrag durch die Messe. Das war das erste Zeichen, dass wir anscheinend wirklich etwas gefunden haben, das funktioniert. Und die Pilotphase danach bestätigte das Ganze dann noch weiter.

Phase 2: Planung

Welche nächsten Schritte standen dann bei der Planung für bikuh an?

Für uns war schnell klar, dass wir nicht ewig in den eigenen vier Wänden „vor uns hin basteln wollten“. Deshalb entschieden wir uns auch für die Bewerbung beim Fördernetzwerk Social Impact Lab, erhielten unsere ersten Coaching-Gespräche, Kurse zu unterschiedlichen Themen, aber vor allem einen Arbeitsplatz voller Menschen mit Tatendrang und eigenen Ideen. Später bewarben wir uns dann auch beim Climate-KIC Accelorator Programm und durchliefen die drei Phasen, für die man sich immer wieder neu bewerben muss. Das heißt, wenn dein Geschäftsmodell nach sechs Monaten nicht mehr sinnvoll erscheint, fliegst du aus dem Programm. Doch die Jury vertraute uns dreimal und unterstützte uns tatkräftig bei der Ausarbeitung unseres Geschäftsmodells für bikuh.

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Warum könnt ihr die Förderprogramme für angehende Gründer empfehlen?

Das Gute an einem Förderprogramm und speziell dem Climate-KIC Accelorator Programm war, dass wir nicht nur durch Coachings und individuelle Beratung unterstützt wurden. Sondern auch direkt finanzielle Hilfen bekamen. Hierdurch waren dann überhaupt die nächsten Schritte zu einem sehr frühen Zeitpunkt möglich. Wie zum Beispiel unsere noch vorhandenen Angestelltenjobs gegen Halbtagsjobs zu tauschen und dadurch den Aufbau von bikuh zu beschleunigen. Deshalb können wir Gründern empfehlen, sich zumindest für ein Förderprogramm zu bewerben, um ebenfalls Unterstützung zu erhalten.

Wie habt ihr euren Businessplan erstellt?

Die Grundlagen unseres Businessplans erarbeiteten wir mit Hilfe des Business Canvas Modells. Anschließend testeten wir selbst sehr viel, starteten unsere ersten Pilotkampagnen, betrieben viel Recherchearbeit im Internet und analysierten den Markt für bikuh. Hinzu kam noch die Unterstützung von verschiedenen Studenten für Stichprobenerhebungen. Denn sie schnappten sich ein Thema und übernahmen im Rahmen ihres Studiums die Recherche für uns. Dahingegen wurde es beim Finanzplan etwas schwieriger, denn wie kalkuliert man ein Geschäftsmodell, das es noch gar nicht gibt? Zum Glück konnten wir uns bei diesem Thema auf die Experten-Unterstützung aus den Inkubatoren verlassen, weshalb sich die Gründerzentren für Startups definitiv lohnen können.

Welche Schritte standen in der Vorbereitung noch an, bis bikuh startklar war?

Bereits vor der Gründung besaßen wir eine Website, damit Interessierte auch sehen, dass es uns wirklich gibt. Die Pilotphase, also unsere ersten Kampagnen mit richtigen Kunden und Radfahrern, starteten wir mit einer im App-Store vorhandenen Tracking-App. Diese konnte die wichtigsten Aufgaben rund um unser Geschäftsmodell erledigen. Die hierdurch gewonnenen Informationen mussten wir manuell auswerten. Zwar war das Ganze sehr aufwändig, jedoch konnten wir ohne großen Kostenaufwand sofort starten und das erste Geld verdienen.

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Phase 3: Gründung

Wie habt ihr dann eure eigene bikuh-App entwickelt?

Unsere eigene App zu entwickeln war der nächste Schritt, doch die Finanzierung stellte eine Herausforderung dar. Denn dazu mussten wir für bikuh ein Angebot bzw. eine Dienstleistung entwickeln, die es so noch gar nicht gab. Man konnte sich also nicht viel Abgucken. Im Nachhinein hätten wir sogar ein paar Features gar nicht benötigt und andere schon. Doch sowas findet man erst mit der Zeit heraus, das ist ein normaler Prozess, der keinen Gründer abschrecken sollte. Durch unsere Learnings in den letzten Jahren, werden wir die App in absehbarer Zeit komplett überarbeiten und dann ein nahezu perfektes Produkt anbieten können.

Wie kam es zur Teilnahme bei der Gründershow Die Höhle der Löwen?

Tatsächlich waren wir gar nicht auf der Suche nach Investoren, die Produzenten von der Höhle der Löwen kamen auf uns zu. Ihrer Meinung nach passten wir sehr gut in das Format, doch das fanden wir am Anfang ehrlich gesagt nicht. Letztendlich entschieden uns dafür es zu probieren. Außerdem setzten wir unsere Hoffnungen in das neue Jury-Mitglied Nico Rosberg, der sich sehr für Nachhaltigkeit und auch Mobilität interessiert. Letztendlich hat es jedoch nicht gepasst, was unsere Motivation und Begeisterung für bikuh aber natürlich nicht bremsen konnte.

Was könnt ihr aus der DHDL-Erfahrung für den generellen Umgang mit Investoren ableiten?

Die Teilnahme bei der Höhle der Löwen war unsere erste und bis dato auch letzte Erfahrung vor Investoren. Wir würden auch vermuten, dass ein klassischer Pitch vor Investoren ein wenig anders abläuft als bei DHDL, es ist am Ende ja auch eine Entertainment-Show. Deswegen können wir gar nicht so viel Hinweise geben, außer dass eine gute Vorbereitung sehr wichtig ist und man auch mit Kritik umgehen muss. Denn nicht jeder findet deine Geschäftsidee toll und das ist nicht schlimm. Außerdem lautet unser Rat, dass ein Investor neben dem finanziellem Background auch ähnliche Ziele verfolgen sollte, sonst sind spätere Probleme fast vorprogrammiert.

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Ihr habt euch bei bikuh für ein Online-Business entschieden: Warum lohnt sich das für Gründer?

Wir benötigten bei bikuh eine App, um unsere Dienstleistung überhaupt anbieten zu können. Deshalb stellten wir uns auch nicht die Frage, ob wir ein Online-Business gründen sollen. Sondern es war die Grundlage, um unser Businessmodell überhaupt umsetzen zu können. Generell bietet ein Online-Business aber definitiv einige Vorteile: Zum Beispiel können wir dank der App diverse Auswertungen und spezielle Kundenwünsche in Sekundenschnelle umsetzen. Durch das digitale Konzept sind wir stets mit unseren Kollegen vernetzt, ob im Büro oder im Homeoffice. Dadurch lassen sich auch die monatlichen Fixkosten gering halten.

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Welche Fehler habt ihr bei der Gründung von bikuh gemacht?

Das ist eine gute Frage. Denn Gründen kann man tatsächlich einfach und schnell. Doch die Idee in ein Geschäftsmodell umzuwandeln und dann auch weiterzuentwickeln, ist dann schon etwas schwieriger. Grundsätzlich würde ich bestimmte Abläufe nicht als großen Fehler bezeichnen, wir haben nur immer wieder etwas dazugelernt. Außerdem setzten wir in den letzten Jahren auf eine Test-Mentalität und in derartige Prozesse investiert man dann natürlich auch Zeit und Geld. Manchmal eben auch in Dinge, die nicht so funktionieren. Doch solche Erkenntnisse sind sehr wichtig für die Entwicklung eines Unternehmens.

Phase 4: Wachstum

Was macht bikuh im Vergleich zur Konkurrenz so besonders?

Insgesamt bieten wir zwei Produkte an: bikuh advertising und bikuh corporate. Durch beide fördern wir das Radfahren und erreichen jeweils einen Triple-Win-Effekt, denn es profitieren immer die Radfahrer, die Kunden sowie die Umwelt. Dabei ist bikuh advertising eine bis heute weltweit einzigartige Plattform, die Radfahrer und Werbetreibende geschickt miteinander verbindet. Denn bikuh bietet Unternehmen eine innovative und grüne Art der Werbung und belohnt Fahrradfahrer fürs Radeln, wenn sie zu bezahlten Markenbotschaftern werden. Außerdem arbeiten wir bei bikuh corporate mit Arbeitgebern zusammen. Unsere digitale Plattform wird in dem Fall von der Personalabteilung eines Unternehmens gebucht, um ihre Mitarbeiter zu motivieren, den Arbeitsweg mit dem Fahrrad zu bestreiten.

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Welche Marketing-Kanäle habt ihr bei bikuh bisher erfolgreich genutzt?

Zuerst besuchten wir vielen Messen, um vom direkten Kontakt zu Unternehmen und auch Radfahrern profitieren zu können. Die Radfahrer-Community ist durch unsere Messeauftritte stets stark angestiegen und weitere Unternehmen wurden auf uns aufmerksam. Durch die Teilnahme an Inkubatoren und Wettbewerben sowie der Gewinn mehrerer Preise für unser Businessmodell, berichtete auch die Presse immer wieder über uns. Außerdem, wie in jedem anderen Business auch, sind zufriedene Kunden ein Garant für Weiterempfehlungen. Deshalb lohnt es sich, medial vertreten zu sein, aber die eigenen Kunden auch nie zu vernachlässigen.

Welche geheimen Tipps möchtet ihr angehenden Gründern geben?

Unser Tipp lautet: Such dir einen passenden Inkubator, bewirb dich und nimm an den Förderprogrammen teil. Dabei ist nicht immer alles relevant oder hilfreich. Doch es öffnen sich dadurch mehr Türen und du erfährst immer, was sich gerade alles in der Szene tut. Zum Beispiel, welche Fördergelder existieren oder welche Gründerwettbewerbe sich anbieten. Denn dort bist du von Menschen umgeben, die ähnliche Herausforderungen meistern, dadurch kann man sich gut austauschen und gegenseitig unterstützen. Generell gilt jedoch auch: Durchhalten und kreativ werden – es gibt für jedes Problem eine Lösung! Wir hatten das große Glück, einzigartige Mitarbeiter, tolle Freunde und eine unterstützende Familie an unserer Seite zu haben.

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Über den Autor

Autorenprofil: Insa Schoppe

Insa Schoppe

Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de und unterstützt seitdem das Team als Junior-Online-Redakteurin.

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