Interview über den erfolgreichen Aufbau eines Online-Business

Gründer-Geheimnis: Wie startet yamuntu deine Influencer-Karriere?

Ein Influencer sein, mit dem eigenen Content Geld verdienen und dabei völlig unabhängig bleiben – das ist der Traum vieler Social Media-Nutzer. Doch oftmals reichen die Follower nicht aus, um passende Werbepartner zu finden und regelmäßig Geld zu verdienen. Diese Ausgangslage will yamuntu ändern, denn mit der App kann jeder zum Influencer werden und sich von seinen Lieblingsmarken sponsern lassen. Tausende Nutzer sind schon dabei und auch große Investoren konnten das Startup überzeugen. Wir haben im Interview mit dem CEO Wunni spannende Details zum Gründer-Geheimnis, dem erfolgreichen Geschäftsaufbau sowie praktische Startup-Tipps erfahren.

Eine innovative Geschäftsidee zu besitzen ist eine Sache. Unermüdlich daran zu arbeiten, diese Idee auch umsetzen zu können, ist eine andere. Doch genau das hat Wunni mit seinem Startup yamuntu geschafft. Denn vor zwei Jahren startete er in Hamburg mit der Idee zu einer App, die es jedem Social Media-Nutzer ermöglicht, gekaufte Produkte zu präsentieren und dafür Cashback zu bekommen. Das bedeutet, in der App werden die Nutzer bei Kaufinteresse zu einem Partner weitergeleitet. Danach lässt sich eine Story bzw. ein Reel aufnehmen und posten. Innerhalb von 48 Stunden bekommen die Nutzer dann ihr Cashback ausgezahlt – also fast wie bei einem Influencer.

CEO Wunni von yamuntu

Heute hat sich seine Geschäftsidee zu einem Unternehmen mit 14 Mitarbeitern, tausenden begeisterten Nutzern und zahlreichen Partnern entwickelt. Zuletzt schloss das Team eine Finanzierungsrunde mit erfahrenen Gründern von Trivago, Misterspex sowie moebel.de ab und sammelte eine siebenstellige Summe ein. Damit will das Startup weiter wachsen und weitere User überzeugen. Doch wie genau fing alles an? Und welche Erfolgsfaktoren waren entscheidend? Wir haben im Interview mit Wunni erfahren, worauf es bei der Planung ankommt, wie das Startup in die technische Umsetzung startete und warum der Bereich Online-Marketing auch zukünftig für Gründer lukrativ sein wird.

Phase 1: Ideenfindung

Wann genau entstand deine Idee für yamuntu?

An den Moment der Ideenfindung von yamuntu kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich durfte mich ein paar Tage von der Schule freistellen lassen, um meinen damaligen Boss auf einen Kongress nach Mannheim zu begleiten. An diesen Tagen war so viel los, dass ich nicht mal Zeit für mein Handy hatte. Als ich dann nach vielen Stunden endlich wieder bei Instagram und Co. reinschaute, hat es mich umgehauen. Denn auf allen Profilen waren Produktempfehlungen zu sehen, zum Beispiel für neue Sneaker. Meine Freunde gaben also selbst Geld für Produkte aus und empfahlen diese ihren Freunden, ohne dass jemand danach fragte! Dabei konnte ich nicht verstehen, warum keiner dieses Potenzial nutzt, obwohl alle schon verstanden, wie powerful Influencer sein können.

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Wie hast du erkannt, dass es sich dabei um ein lukratives Geschäftsmodell handelt?

Damals wusste ich gar nicht, dass es so etwas wie Startups gibt, dementsprechend erkannte ich erst recht nicht den monetären Wert hinter der Idee. Und ich dachte mir damals nur, dass yamuntu das Potenzial besitzt, genau so groß wie Snapchat oder Instagram zu werden und bin da extrem pragmatisch herangegangen. Denn alles, was groß und relevant ist, findet immer eine Möglichkeit Geld zu verdienen. Durch das Startup-Programm vom Next Commerce Accelerator, einer Investmentgesellschaft in Hamburg, habe ich dann mehr über den Online-Handel gelernt und zum ersten Mal das Potenzial der Monetarisierung durch Verkaufsprovisionen verstanden.

Phase 2: Planung

Welcher Weg führte dich in die Startup-Szene?

Eigentlich fingen die ersten Schritte bei yamuntu an, als ich meinen Mentor Philipp Mertens bei einem Event von Startup Göttingen kennenlernte, der mir von einem Buch mit dem Titel Lean Startup erzählte. Um ehrlich zu sein, hab ich das Buch nie gelesen, aber mir dafür jedes YouTube-Video, jeden Podcast und Blog dazu reingezogen. Das war mein heiliger Gral zur Gründung! Mit dem Wissen zu dem Prinzip, einem ersten Prototypen und allem was dazu gehört hat, führte ich dann 2018 meine ersten Umfrage im Freundeskreis und in Göttingen durch. Nach diesem ersten Vorgehen verstand mein Mentor, wie ernst es mir mit dem Thema ist und bot mir ein zweimonatiges Praktikum an, woraus sich dann eine zehnmonatige Festanstellung im Bereich Venture Development entwickelte.

Wie hast du deinen Businessplan erstellt?

Ehrlich gesagt habe ich noch nie in meinen Leben einen Businessplan erstellt, sowas liegt einfach nicht in meiner Natur. In meinem Kopf wusste ich wie yamuntu auszusehen hat, alles andere außer dem Produkt und den Ergebnissen, hat mich damals nicht interessiert. Dabei bildete ich zwar einzelne Bestandteile des Businessplans über das Pitch Deck ab und musste ab einem gewissen Zeitpunkt auch einen Finanzplan aufstellen, aber ein vollständiger Businessplan kam nie zustande. Was das angeht, würde ich mich nicht als ein Vorbild bezeichnen. Möglicherweise zeigt es aber gut auf, wie man auch mit Defiziten trotzdem Erfolge erzielen kann.

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Welche ersten Schritte hast du bei der Planung von yamuntu durchgeführt?

Bevor die App für yamuntu existierte, musste ich erstmal so schnell wie möglich zu meinen Proof-of-Concept kommen. Dabei erkannte ich, dass ich selbst bei einer App die Nutzer über eine Landingpage führen muss. Also entwickelte ich eine Landingpage, mit der ich die Idee von yamuntu pitchte. Danach nahm ich 200 Euro in die Hand, bat zwei Influencer darum das Ganze zu bewerben und beobachtete die Resonanz. Allerdings arbeitete ich dabei mit dem kostenlosen Webtool weebly, weshalb kein Tracking zur Verfügung stand. Am Ende des Testlaufs besuchten 1400 Leute die Webseite, von denen knapp über 600 auf den Download-Button drückten und weitere 100 Personen hinterließen Feedback zu dem Model. Die Zahlen und positive Resonanz waren damals so krass, dass ich wusste, dass ich mehr machen muss!

App yamuntuQuelle: Pressefoto yamuntu
Eine Marke präsentieren – und dann Cashback erhalten.

Phase 3: Gründung

Welche Schritte standen noch an, bis yamuntu an den Start ging?

Mit diesem ersten Proof wurde ich dann zunächst beim Gründerprogramm Next Commerce Accelerator angenommen. Am allerersten Tag, an dem ich Vollzeit an yamuntu arbeiten durfte, bekam ich dann aber doch Kopfschmerzen. Denn ich war Teil eines Startup-Programms, bei dem sich 200 Startups bewarben und nur fünf angenommen wurden. Doch ich wusste einfach nicht, wo ich überhaupt anfangen sollte. Wie entwickelt man eine App, wie bekommen wir Partner oder User auf die Plattform? Was ist, wenn ich scheitere? Doch irgendwie hatte ich dann den Mut weiterzumachen, was im Nachhinein eine der besten Entscheidungen meines Lebens war, obwohl ich es mir damals nicht selbst zutraute.

Wie klappte die technische Umsetzung von yamuntu?

Bei der technischen Umsetzung wollte ich erstmal einen technischen Co-Founder finden, um eine wichtige komplementäre Kernkompetenz für yamuntu dabei zu haben. Weil das nicht von heute auf morgen passiert, sprach ich parallel schon mit Software-Agenturen und stellte ein erstes Minimum Viable Product vor, also ein brauchbares Produkt mit minimalen Eigenschaften, auch MVP genannt. In diesem Zusammenhang startete ich außerdem schon mit den ersten Business-Gesprächen, um Partner zu überzeugen. Und ich traf auf meinen ersten Mitgründer, mit dem ich zusammen in nur vier Wochen das MVP fertigstellte.

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Welche Fehler habt ihr bei der Gründung von yamuntu gemacht?

Ich weiß gar nicht, bei welchen Fehler ich anfangen oder mich hier limitieren soll. Denn man unterschätzt als Gründer sehr oft die Komplexität der Dinge und damit ist alles gemeint – vom Markt hin bis zum Produkt und so weiter. Und auf der anderen Seite tendiert man dazu, sehr komplexe Lösungen für simple Probleme zu bauen. Deshalb lassen sich bestimmte Fehler auch nicht vermeiden, sie gehören zu einer Gründung dazu und sind letztendlich nicht dramatisch.

Phase 4: Wachstum

Was macht yamuntu im Vergleich zur Konkurrenz so besonders?

Zum einen konnten wir mit yamuntu ein authentisches Produkt aufbauen, was wir selber nutzen möchten. Denn wir sind nicht aus dem opportunistischen Hintergrund entstanden, damit schnelles Geld machen zu wollen. Sowas merken die Nutzer bei der Usability. Außerdem gibt es viele Stellen und Themen, bei denen wir uns bewusst dagegen entschieden, auf den monetären Aspekt zu schauen. Weil es sich nicht mehr echt und authentisch angefühlt hätte. Deshalb würde ich sagen, dass durch diese Herangehensweise ein Produkt herauskam, was sich mit anderen Produkten auf dem Markt nicht vergleichen lässt.

Welche Marketing-Kanäle habt ihr bei yamuntu bisher erfolgreich genutzt?

Neben Performance Marketing durch zum Beispiel Instagram Ads, Influencer Marketing und strategischen Partnerschaften mit anderen Apps, probierten wir viele verschiedene Strategien aus. Dabei sorgte Influencer Marketing für die größten Erfolge. Denn die Nutzer wissen dabei, was auf sie zukommt und wie sie die App bedienen können. Damit besitzt diese Nutzergruppe meistens eine klare Erwartungshaltung, die sich auch mit dem deckt, was wir in der App abbilden. Bei allen anderen Touchpoints ist es schwieriger, innerhalb von kürzester Zeit nicht nur den USP hervorzubringen, sondern auch aufzuzeigen, wie die App funktioniert.

Wie schätzt du das Potenzial für Online-Marketing in den nächsten zehn Jahren ein?

Ich glaube, dass wir mit yamuntu einen Trend im Influencer Marketing wahrnehmen konnten und damit aktiv beschleunigen. Dabei fokussieren wir uns auf die kleinste adressierbare Gruppe – die Normalverbraucher. Denn diese besitzen heute mit den sozialen Medien eine relevante Reichweite, die anerkannt und genutzt werden sollte. Während die klassischen Influencer am Ende des Tages bezahlte Werbetafeln sind, kaufen bei uns die Kunden selbst ihre Produkte und teilen es mit ihrem engsten Freundeskreis. Ich glaube daran, dass der Markt auch unabhängig von yamuntu stärker demokratisiert wird, was wieder mehr Authentizität ins Spiel bringt. Weil die Leute Empfehlungen aussprechen, zu denen sie auch wirklich stehen.

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Welche geheimen Tipps möchtest du angehenden Gründern geben?

Bleib dir und deinen Werten treu! Wenn du von einer Sache überzeugt bist, mach keine Kompromisse und zieh es durch. Dazu solltest du dir ein Umfeld suchen, dass die gleiche Wertebasis mitbringt und dich auch in schlechten Zeiten motiviert. Denn du bist nicht alleine und musst auch nicht alles alleine schaffen. Auf meinem Weg mit yamuntu hatte ich das Glück, viele Menschen mit der gleichen Überzeugung kennenzulernen. Ohne diese Unterstützung wäre ich mit Sicherheit heute nicht hier. Also frage unbedingt nach Hilfe, wenn du bei einem Thema absolut nicht weiterkommst. Pass aber auf, dass du nicht stumpf alles übernimmst, sondern schau was zu dir und deiner Wertvorstellung passt.

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Über den Autor

Autorenprofil: Insa Schoppe

Insa Schoppe

Direkt nach dem Abitur entschied sich Insa für ein „Multimedia Production“-Studium in Kiel, danach folgten praktische Erfahrungen in einer Fernsehproduktionsfirma. Anschließend startete sie ein Volontariat in der Redaktion eines Radiounternehmens und wurde als Redakteurin übernommen. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Recherche und Texterstellung auch tägliche Nachrichten sowie die Verantwortung für mehrere Magazine. Im März 2020 wechselte Insa von der Radio-Redaktion in die Online-Redaktion von Gründer.de und unterstützt seitdem das Team als Junior-Online-Redakteurin.

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