Diese Voraussetzungen gelten

Welche Kreditkosten sind steuerlich absetzbar?

Um mit einem neuen Geschäft durchzustarten, braucht es gerade in der Gründungsphase Kapital. Während manche Gründer auf Bootstrapping setzen und mit kleinstem finanziellem Aufwand und sehr viel Arbeit die ersten Monate oder gar Jahre unter stressigen Bedingungen durchhalten, wissen andere sich durch Kredite zu helfen. Sie schöpfen die Möglichkeiten aus, die der Markt für die Gründungs- und Anschubfinanzierung bietet. Außerdem kennen sie die Wege, um sämtliche Kreditkosten steuerlich geltend zu machen. Was fällt unter die Kreditkosten und welche Voraussetzungen müssen für die steuerliche Abzugsfähigkeit erfüllt sein? Diese und andere Fragen sind jetzt Thema.

Grundvoraussetzungen im Überblick

Die Grundvoraussetzungen, um Kreditkosten steuerlich absetzen zu können, variieren in Abhängigkeit von der Rechtsform. Generell gilt, dass ein Unternehmen gegründet sein muss, bevor Kosten betrieblich geltend gemacht werden können. Schließlich ist der Kreditnehmer steuerliche Rechenschaft schuldig und deshalb muss die Kreditaufnahme betrieblich und nicht privat erfolgen.

Bei einer GmbH und UG etwa bedeutet es, dass der Eintrag im Handelsregister erfolgt sein muss. Manche Unternehmer bemühen sich bereits in der Vor-Gründungsphase um einen Kredit, um die Finanzierbarkeit ihres Geschäfts konkret zu klären. Kosten, die in der Vor-Gründungsphase bzw. Gründungsphase auftreten, müssen in so einem Fall entsprechend auf die Vorgründungsgesellschaft ausgestellt werden. Die Belege lassen sich später in der Buchhaltung der Gesellschaft berücksichtigen und entsprechend der geltenden gesetzlichen Regelungen betrieblich geltend machen.

Einzelunternehmer, die keine Gesellschaft wie eine GmbH oder UG gründen, sondern beispielsweise als Freiberufler oder Gewerbetreibender selbstständig werden, können Kosten, die vor der offiziellen Gründung anfallen, als sogenannte „vorweggenommen Betriebsausgaben“ verbuchen und damit steuerlich geltend machen.

In beiden Fällen ist es dringend anzuraten, Kontakt zu einem Steuerberater aufzunehmen, um die korrekte Verbuchung zu gewährleisten.

Welche Positionen gehören zu den Kreditkosten?

Der Definition nach sind Kreditkosten die Kosten, die im Zusammenhang mit einer Kreditaufnahme stehen. Es handelt sich dabei um diese Positionen:

  • Zinsen
  • Provisionen
  • Nebenkosten

Zinsen, Provisionen und Nebenkosten im Zusammenhang mit dem Kredit sind steuerlich absetzbar.

Was sind Zinsen?

Zinsen sind der Preis für Geld, welches die Bank verleiht. Auf der Website der Bundesbank werden die Details zum Thema Zinsen ausführlich erläutert. Wie hoch die Zinsen ausfallen, bestimmt der Zinssatz. Zinssätze werden in Prozent dargestellt und beziehen sich auf den Kreditbetrag.

Tipp: Aus unternehmerischer Vorsicht bietet es sich dringend an, Kreditangebote miteinander zu vergleichen, um einen Kredit mit einem günstigen Zinssatz zu erhalten. Selbstständige können einen Kreditvergleich online nutzen und sparen. Bei bspw. smava lässt sich als Verwendungszweck „Gewerbe“ auswählen. Über die weitere Auswahl der Kreditlaufzeit und des Nettokreditbetrags lassen sich die gewünschten Kreditangebote auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. Im Schnitt ermöglichte das Kreditportal in der Vergangenheit eine durchschnittliche Ersparnis von 35 % gemessen am effektiven Jahreszins.

Für den vollen Kostenansatz der Zinsen in der betrieblichen Buchhaltung gilt, dass der Kredit vollständig betrieblich genutzt wird. Sofern mit dem Geld Dinge für den Privatbereich angeschafft werden, ist dies schädlich und hat nachteilige Konsequenzen hinsichtlich der steuerlichen Absetzbarkeit.

Was sind Provisionen

Eine Provision ist eine Bezahlung für einen Kreditvermittler, die nur dann fällig wird, wenn der Kredit tatsächlich abgeschlossen wird. Es ist gesetzlich geregelt, dass Kreditvermittler neben der Provision weitere Auslagen wie beispielsweise für Telefonkosten abrechnen dürfen. Zahlreiche andere Gebühren sind nicht zulässig. So hat der Gesetzgeber z. B. teure Beratungshotline untersagt.

Gut zu wissen: In der Regel rechnet ein Kreditvermittler mit der Bank ab. Allerdings sind die Leistungen der Kreditvermittler in der Regel in den Kreditkosten eingerechnet, sodass sie über diesen Umweg doch beim Kreditnehmer zu Buche schlagen.

Was sind Nebenkosten?

Der Bereich der Kreditnebenkosten ist recht umfangreich. Bei einem typischen Firmenkredit für Betriebsmittel oder Investitionen in Maschinen und Geräte fallen unter die Nebenkosten Bearbeitungsgebühren, Bereitstellungskosten und Kontoführungsgebühren für das Kreditkonto. Unter Umständen schließen Kreditnehmer eine Restschuldversicherung ab, deren Kosten ebenfalls in den Bereich der Kreditnebenkosten fallen.

Eine Besonderheit stellen Immobilienkredite dar. Hier kommen zahlreiche weitere Kostenpositionen hinzu, die betrieblich verbucht und damit steuerlich geltend gemacht werden können. Dazu gehören etwas die folgenden Positionen:

  • Baugenehmigungskosten
  • Grunderwerbsteuer
  • Notarkosten
  • Grundbuchkosten
  • Erschließungskosten für das Grundstück
  • Bauherrenhaftpflichtversicherung
  • Maklergebühren

Weitere Kosten, die Selbstständige steuerlich geltend machen können

Die Aufnahme eines Kredits dient einen bestimmten Zweck in der Firma. Mit dem Geld werden z. B. Investitionen ins Anlage- oder Umlaufvermögen getätigt, laufende Betriebskosten gezahlt oder Löhne und Gehälter bedient. Alle Kosten, die betriebliche Veranlassung haben, werden entsprechend als Betriebsausgabe gebucht. Eine Betriebsausgabe mindert den Gewinn und damit die Steuerbelastung.

Keine Buchung ohne Beleg!

Um Betriebsausgaben verbuchen zu dürfen, ist zwingend ein Beleg erforderlich. Zu den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung, die in einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 28.11.2019 detailliert dargestellt werden, gehört auch die Anforderung, dass keine Buchung ohne Beleg erfolgen darf. Der folgende Überblick listet die Anforderungen an eine ordnungsgemäße Buchführung in aller Kürze auf:

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  • Richtigkeit und Willkürfreiheit: Geschäftsvorfälle müssen faktisch geschehen sein und sich objektiv aus den Aufzeichnungen ergeben.
  • Klarheit und Übersichtlichkeit: Die Buchführung muss so hergestellt werden, dass ein Sachverständiger fremder Dritter sich schnell zurechtfindet.
  • Einzelbewertung: Jeder Vermögensgegenstand muss gesondert bewertet werden. Nur in Ausnahmen werden Gruppenbewertungen akzeptiert.
  • Vollständigkeit: Die Buchführung muss lückenlos und vollständig sein.
  • Ordnungsmäßigkeit: Die Verbuchung der Geschäftsvorfälle muss chronologisch und zeitnah erfolgen.
  • Sicherheit: Die Unterlagen müssen sachgerecht gesichert und zur Prüfung zur Verfügung gehalten werden. Es gelten die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen.
  • Belegprinzip: Keine Buchung ohne Beleg.

An den zuletzt genannten Punkt des Belegprinzips knüpft sich eine Regelung an, die den Inhalt eines Rechnungsbelegs festlegt. Der Gesetzgeber hat im Umsatzsteuergesetz genau definiert, wie eine ordnungsgemäße Rechnung aussehen muss. Rechnungsempfänger sollten deshalb die Eingangsrechnung stets auf Richtigkeit und Vollständigkeit überprüfen. Denn wenn ein Beleg nicht ordnungsgemäß ist, erkennt das Finanzamt im schlimmsten Fall die Kosten nicht an. Das bedeutet für vorsteuerabzugsberechtigte Selbstständige auch, dass sie die Vorsteuer nicht in der Umsatzsteuer-Voranmeldung geltend machen dürfen. Folgende Merkmale müssen erfüllt sein:

  • Korrekte Anschrift des Rechnungsaussteller
  • Steuernummer oder Umsatzsteuer-ID des Rechnungsaussteller
  • Umsatzsteuer-Identifikationsnummer bei Lieferanten aus dem EU-Ausland
  • Rechnungsnummer
  • Ausstellungsdatum
  • Liefer- bzw. Leistungsdatum
  • genaue Bezeichnung der Produkte, Art und Umfang von Leistungen
  • Nettobetrag
  • Steuersatz und Steuerbetrag
  • Bruttobetrag
  • korrekte Rechnungsanschrift

Ausnahmen von diesen Vorschriften sind Kleinbetragsrechnungen gemäß Paragraf 14 Umsatzsteuergesetz. Dies bedeutet, dass Kleinbetragsrechnungen bis zu einem Gesamtbetrag von 250 € steuerlich anerkannt werden. Eine solche Quittung muss mindestens den vollständigen Namen und die vollständige Anschrift des Rechnungsausstellers, das Ausstellungsdatum, Art und Menge der gelieferten Gegenstände bzw. Umfang der Leistungen, den Bruttobetrag, geltende Steuersätze und gegebenenfalls einen Hinweis auf eine Steuerbefreiung enthalten. Typische Belege, die diese Anforderungen erfüllen, sind etwa Quittungen aus einem Supermarkt.

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