Encourage Ventures: Top-Managerinnen gründen Investment-Netzwerk
Einschlägige Studien haben ermittelt, dass von Frauen gegründete Startups im Durchschnitt höhere Einnahmen liefern. Zudem leisten sie einen größeren gesellschaftlichen Beitrag, da sie auch mehr Mitarbeiter beschäftigen als Startups mit rein männlichen Gründerteams. Dies legt der Female Founder Report 2021 nahe. Dem Report zufolge schufen Gründerteams aus Frauen im Durchschnitt 23 Arbeitsplätze pro Startup und damit sieben mehr als männliche Gründerteams. Und trotzdem sind Startups und Unternehmen mit weiblicher Führung deutlich unterrepräsentiert und erhalten auch weniger Risikokapital als ihre männlichen Konkurrenten. Doch genau diese Benachteiligung wollen 60 Top-Managerinnen nun angehen und gründeten Encourage Ventures – nach eigenen Aussagen „Deutschlands größtes Investorinnen-Netzwerk“.
Namhaften Top-Managerinnen, wie Tina Müller von Douglas, Sigrid Nikutta von der Deutschen Bahn, Tanja Rückert von Bosch, Multi-Aufsichtsrätin Simone Menne von Henkel und der Deutschen Post sowie die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries und viele weitere Investorinnen, wollen den weiblichen Unternehmern finanziell unter die Arme greifen. Und für ihren „All-Femaile-Growth-Fonds“ brauchen sie jede Menge Unterstützung. Das Ziel: Ein Wachstumsfonds für Gründerinnenteams, das 100 bis 200 Millionen Euro schwer sein soll.
Top-Managerinnen wollen mehr Sichtbarkeit für Gründerinnen
Vor allem geht es laut den Top-Managerinnen darum, Vorbilder zu schaffen, weiblichen Gründern zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen und Mut zu machen. Denn entscheiden sich Frauen für die Unternehmensgründung, belegen die Studien, dass sie dies sogar erfolgreicher machen als viele Männer. Schon neun Gründerinnen haben ihre Ideen vor dem weiblichen Netzwerk-Publikum präsentiert und ehrliches Feedback und Unterstützung von den Investorinnen entgegengebracht bekommen. Doch nicht nur die Zahl der weiblichen Gründer muss wachsen, sondern auch die, der weiblichen Investoren.
Investoren bewerten weibliche Startups schlechter
Laut BCG-Studien können rein weibliche Startups in Deutschland nach der Gründung deutlich weniger Investorengelder akquirieren. Zudem sind die Kapitalgeber bei ihrer Beteiligungen deutlich zurückhaltender. Der Durchschnitt aller Investments, die ein deutsches Startup über alle Finanzierungsphasen akquirieren konnte, betrug bei männlich geführten Firmen 10,6 Millionen Euro. Deutsche Gründerinnen hingegen erhielten 3,5 Millionen Euro. Das ist also knapp ein Drittel weniger. Der vermeintliche Grund: Investoren bewerteten weiblich geführte Unternehmen offenbar systematisch schlechter. Und dies, obwohl sie pro investiertem Dollar im Durchschnitt doppelt so viel Umsatz generierten wie reine Männerteams.
Bisher sind weltweit nur zwölf Prozent der Entscheidungsträgerinnen in Investmentfirmen Frauen. Da immer noch deutlich mehr Männer an wichtigen Positionen in Investmentfirmen sitzen, haben es Gründerinnen schwieriger. Denn eine Auswertung des Kauffman Fellows Research Center (KFRC) aus dem Silicon Valley zeigt, dass wenn Frauen an den Entscheidungen in Investmentfirmen beteiligt sind, sich die Wahrscheinlichkeit, dass auch in weibliche Teams investiert wird, verdoppelt. Dagegen wollen die Top-Managerinnen vorgehen und mit ihrem Netzwerk dazu beitragen, dass es in Deutschland mehr weibliche Startups gibt.


Lisa Goldner